Das Konzept der Antifa – Entstehung, Kritik, Zukunft

Dienstag, 15. Oktober 2019 von 20:00 bis 23:00

@ Uni Lüneburg (Universitätsallee 1, 21335 Lüneburg), Hörsaal 5

Antifa ist eines der zentralen linken Politikfelder der letzten 20 Jahre. Und obwohl fast alle schon einmal von »der Antifa« gehört haben, ist oft nicht ganz klar, welches politische Konzept sich eigentlich dahinter verbirgt. Auch, weil in den kommenden Jahren die Auseinandersetzung mit dem allgegenwärtigen Rechtsruck auf der Tagesordnung stehen wird, wollen wir in einem Vortrag die Geschichte der autonomen Antifa rekapitulieren und zur Diskussion stellen.

Welche theoretischen und strategischen Annahmen standen hinter der Entstehung von Antifagruppen in den Neunzigerjahren? Wie lässt sich das offensive Vorgehen gegen Nazis mit Kapitalismuskritik verknüpfen? Ist Antifa notwendiger Abwehrkampf, strategischer Ansatzpunkt zur Weltrevolution oder am Ende gar pure Affirmation der bürgerlich-kapitalistischen Herrschaft?

Referent*innen: NIKA Hamburg
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Veranstalter*innen: Salt City Antifa

Ozarichi 1944 – Spuren eines Kriegsverbrechens

Täglich, 16. Okt. – 18. Okt., von 14:00 – 19:00

@ Uni Lüneburg (Universitätsallee 1, 21335 Lüneburg), Kunstraum

Die Ausstellung behandelt Ozarichi als Tat- und Erinnerungsort eines der schwersten Kriegsverbrechen der Wehrmacht an Zivilist*innen im Zweiten Weltkrieg. Im Mittelpunkt steht die Beteiligung der Lüneburger 110. Infanteriedivision sowie die Verhandlung dieses NS-Verbrechens seit 1945.

– Film »Ozarichi 1944 – Spuren eines Kriegsverbrechens«
(Christoph Rass et al. D 2003), täglich um 13 und 16 Uhr

– Vortrag Kritik deutscher »Vergangenheitsbewältigung«
neues Datum: Dienstag, 29. Oktober | 18 Uhr | Kunstraum der Universität Lüneburg

Die Ausstellung behandelt mit den Deportationen und Lagern von Ozarichi (Russisch: Oзаричи) südöstlich von Minsk in Belarus eines der schwersten Kriegsverbrechen der Wehrmacht an Zivilist*innen im Zweiten Weltkrieg. Am 12. März 1944 begannen Einheiten der Wehrmacht, begleitet von einem Sonderkommando aus SD und Sicherheitspolizei mit der Deportation von etwa 40.000 als »arbeitsunfähig« eingestuften belarussischen Zivilist*innen aus der Region Bobruisk. Über ein System von einem Auffang- und mehreren Zwischenlagern wurden sie in drei »Endlager« in Nähe der Dörfer Ozarichi, Dert und Semonovich transportiert, die zu dem Zeitpunkt unmittelbar an der »Hauptkampflinie« zwischen Wehrmacht und Roter Armee lagen. Zu den Deportierten zählten vor allem Kinder, Frauen sowie kranke und alte Menschen. Etliche von ihnen waren bereits auf dem Weg in die Lager an den Bedingungen der Deportationen gestorben, erschossen oder erschlagen worden. Die »Endlager« bestanden aus offenen, mit Stacheldraht eingezäunten Flächen in einem sumpfigen Waldgebiet, umgeben von Wachtürmen. Am 17. März 1944 wurde die »Hauptkampflinie« zurückgenommen und das Gebiet von der Wehrmacht aufgegeben. Eingeschlossen zwischen den Fronten wurden die Deportierten in den »Endlagern« dem Tod durch Hunger, Kälte und Fleckfieber-Infektion ausgesetzt. Als die Rote Armee am 19. März 1944 begann, die Lager zu befreien, fand sie dort etwa 9.000 Tote und 33.000 Überlebende vor.

Maßgeblich beteiligt waren an diesem Verbrechen Soldaten der 1940 in Lüneburg als Verband der 9. Armee der Wehrmacht aufgestellten 110. Infanterie-Division, für die bis heute ein »Ehrenmal« am Graalwall in Lüneburg steht. Neben einem historischen Teil zu den Verbrechen in Ozarichi, in dessen Mittelpunkt die Berichte der Überlebenden stehen, beleuchtet die Ausstellung auch die Auseinandersetzung und Diskursverschiebungen um das Ehrenmal der 110. I.D. seit seiner Errichtung 1960. Nachgezeichnet wird eine geschichts- und erinnerungspolitische »Lüneburger Linie«, die mit ihrer Tradition des Beschweigens und der Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen sogar hinter die durchaus kritikwürdigen Maßstäbe der bundesdeutschen »Aufarbeitung der Vergangenheit« zurückfällt.

Diesen Zuständen wurde zuletzt im Januar 2018 größere öffentliche Aufmerksamkeit zuteil, als ein stellvertretender Bürgermeister der Stadt Lüneburg sich in einem Video eines rechten Bloggers abfällig über eine Intervention auf dem »Ehrenmal« äußerte. Der stellvertretende Bürgermeister diffamierte nicht nur antifaschistische Aktivist*innen, sondern versuchte auch, den Mythos der »sauberen Wehrmacht« zu rehabilitieren und verhöhnte durch geschichtsrevisionistische Äußerungen die Opfer des NS. Als in einer Ratssitzung der Hansestadt Lüneburg gegen die Amtsenthebung des stellvertretenden Bürgermeisters entschieden wurde, zeigte sich, dass dessen Ansichten für den Großteil des Lüneburger Stadtrates nach wie vor konsensfähig sind. Trotz andauernder Interventionen, darunter einer größere Demonstration im April 2018, hat sich bis sich bis heute kaum etwas an dem geschichtspolitischen Kurs der Stadt Lüneburg geändert.

Ergänzend zu der Ausstellung wird der Film »Ozarichi 1944 – Spuren eines Kriegsverbrechens« (von Christoph Rass et al. D 2003) von Mittwoch bis Freitag jeweils um 13 und 16 Uhr im Kunstraum gezeigt. Der Film leistet auf Grundlage von Gesprächen mit Überlebenden, der umfangreichen Auswertung von historischen Aktenbeständen und Recherchen an den Orten der Verbrechen eine präzise und erschütternde Rekonstruktion der Vorgänge.

Zudem wird Besucher*innen im Kunstraum eine Auswahl an Literatur zur eigenen Recherche und Vertiefung der Themenkomplexe zur Verfügung stehen.

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Veranstalter*innen: AK Unbehagen in der Struktur

Exkursion in die KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Samstag, 19. Oktober 2019 von 12:00 bis 15:00

@ KZ-Gedenkstätte Neuengamme / Neuengamme Concentration Camp Memorial (Jean-Dolidier-Weg 75, 21039 Hamburg)

Gruppenführung von 12:00 bis 15:00 Uhr

Anmeldung und Infos zur Anreise unter: unbehagen.in.der.struktur[at]gmail.com
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Veranstalter*innen: AK Unbehagen in der Struktur

»Antifa heißt Kapitalismuskritik!« – Eine Einführung

Mittwoch, 23. Oktober 2019 von 20:00 bis 22:00

@ Anna & Arthur (Katzenstr. 2, 21335 Lüneburg)

»Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ›ungeheure Warensammlung‹[…]« lautet der einleitende Satz von »Das Kapital«, dem Lebenswerk von Karl Marx, welches vor 150 Jahren in Hamburg veröffentlicht wurde. Aber was hat es mit dieser »Ware« überhaupt auf sich und wie funktioniert sie? Wie entsteht Reichtum in einer Klassengesellschaft, wie wird er verteilt und was hat das ganze mit dem gesellschaftlichen Rechtsruck zu tun? Diese Themen wollen wir uns mit euch gemeinsam erarbeiten und diskutieren.

Der interaktive Vortrag richtet sich explizit an alle, die anfangen wollen sich mit den Grundlagen der Kapitalismuskritik zu beschäftigen. Es werden keinerlei Vorkenntnisse vorausgesetzt, gerne dürft ihr aber eure Erfahrungen und Fragen mit einbringen.

Referent*innen: NIKA Hamburg
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Veranstalter*innen: Salt City Antifa

Antisemitismus im Zeitverlauf – Eine Einführung

Donnerstag, 24. Oktober 2019 von 19:30 bis 21:30

@ Uni Lüneburg (Universitätsallee 1, 21335 Lüneburg), Hörsaal 4

Referent: Andreas Peham (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Wien)

Antisemitismus war und ist mehr als die Summe antijüdischer Vorurteile, nämlich eine umfassende Weltanschauung, die alle Übel aus einem Punkt erklärt – der Schuld der, als übermächtig halluzinierten »Juden«. Eine Kritik des Antisemitismus darf gegen die Gefahr der Akademisierung und Banalisierung nicht aus den Augen verlieren, was dieser zuallererst bedeutet – die Bedrohung des Lebens von Jüdinnen und Juden und all derer, die für solche gehalten werden.

Als über Jahrhunderte alltagskulturell verankertes, dichotomisches Wahrnehmungs- und Wertungsmuster weist der Antisemitismus enorme Beharrlichkeit auf. Im Laufe der Geschichte veränderte er aber seine Artikulationsformen, jedoch ohne dass die älteren von den jüngeren Formen gänzlich abgelöst worden wären: Der christliche Antisemitismus begann sich im späten 18. Jahrhundert zum völkischen zu transformieren. Dieser radikalisierte sich im 19. Jahrhundert zum rassistischen Antisemitismus und zu Beginn des 20. Jahrhunderts weiter zum nazistischen Erlösungsantisemitismus.

Nach Auschwitz sprechen wir vom sekundären Antisemitismus, zur Jahrtausendwende rückte der israelbezogene, linke/linksliberale und islamisierte (»Neue«) Antisemitismus ins Zentrum der Kritik. Diese aktuellen Artikulationsformen dienen der extremen Rechten heute zur Abwehr: Während Antisemitismus in den eigenen Reihen verleugnet wird, bekämpft sie ihn projektiv bei »Moslems« und Linken.

Letztere betreiben unter umgekehrten Vorzeichen oft dieselbe Abwehr: Viele verleugnen die Geschichte und aktuelle Relevanz des linken Antisemitismus und haben zudem keinen Begriff von strukturellem Antisemitismus, wie er sich etwa in verschiedenen Formen des Antikapitalismus oder der Globalisierungskritik äußert. Auch bestreiten sie die Existenz eines islamisierten Antisemitismus, zumeist im Glauben, so dem antimuslimischen Rassismus Paroli bieten zu können. Vor allem aber sind viele Linke nicht willens oder in der Lage, Kritik an Israel von Ressentiment zu unterscheiden. Solche Unfähigkeit kommt antisemitischen Kampagnen wie Boycott, Divestment, Sanctions (BDS), welche Israel als »Apartheitsstaat« denunzieren und ausgerechnet Jüdinnen und Juden das Recht auf Staatlichkeit absprechen, entgegen.

Andreas Peham ist Mitarbeiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes und forscht u.a. zu Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Holocaust-Education.
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Veranstalter*innen: AK Unbehagen in der Struktur

Queerfeministische Freitagskneipe – Special: Kneipenquiz

Freitag, 25. Oktober 2019 von 20:00 bis 23:00

@ Anna & Arthur (Katzenstr. 2, 21335 Lüneburg)

Special: Feministisches Kneipenquiz! Mit Fragen von B wie Begriff bis S wie Sticker (vielleicht auch bis Z wie …). Dazu die übliche Kaltgetränkeauswahl des Tresens.

Die queerfeministische Freitagskneipe ist offen für Menschen aller Geschlechter. Sie soll ein Ort sein, an dem sich inbesondere flti* frei bewegen und wohlfühlen können. Wir erwarten daher einen sensiblen Umgang miteinander. flti* steht für Frauen, Lesben, Trans*, Inter*, nicht-binären und alle nicht-cis-männlichen Personen, die sich nicht in diesen Kategorien wiederfinden. Du bist cis, wenn Du dich mit dem Geschlecht identifizieren kannst, das Dir bei Deiner Geburt zugewiesen wurde. Du bist auch dann cis, wenn Du noch nie gezwungen warst, Dich mit Deiner Geschlechtsidentität auseinanderzusetzen, weil Dich jemand anders eingeordnet hat, als Du es tust.
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Veranstalter*innen: fem.trails

Léon Poliakov – Memoiren eines Davongekommenen

Samstag, 26. Oktober 2019 von 19:00 bis 21:00

@ Anna & Arthur (Katzenstr. 2, 21335 Lüneburg)

Vortrag und Lesung zu den Memoiren des Historikers und Résistanceaktivisten Léon Poliakov, dessen Schriften den ersten systematischen Versuch bilden, die Shoa zu dokumentieren und die Rolle des eliminatorischen Antisemitismus für den Nationalsozialismus herauszustellen.

Poliakov musste als Kind mit seinen Eltern vor der Oktoberevolution fliehen und gelangte über Berlin nach Paris, wo sein Vater das Pariser Tagblatt ins Leben rief und zum populären Sprachrohr von Schriftstellern wie Heinrich Mann und Oskar Maria Graf machte. 1940 geriet Léon Poliakov in Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Flucht schloss er sich der Résistance an und beteiligte sich an der Rettung von Juden. Noch während der Befreiung Frankreichs begann Poliakov mit der Sammlung von Täterdokumenten und war Mitglied der französischen Delegation bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen. Schon 1951 entstand auf Anregung von Alexandre Kojève und Raymond Aron seine Studie »Le Bréviaire de la haine«, der erste systematische Versuch, den Massenmord an den Juden zu dokumentieren. Poliakov betonte im Gegensatz zu deutschen Historikern schon sehr früh die zentrale Rolle des eliminatorischen Antisemitismus. Aber die um die Deutungshoheit der Shoa ringenden deutschen Geschichtswissenschaftler haben den Résistanceaktivisten und Autodidakten im akademischen Betrieb bis heute ignoriert.

Léon Poliakovs Memoiren wurden von Jonas Empen, Jasper Stabenow und Alex Carstuic aus dem Französischen übertragen, von Janina Reichmann lektoriert und von Alexander Carstiuc herausgegeben im Verlag Edition Tiamat 2019 in Deutschland erstveröffentlicht.
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Veranstalter*innen: AK Unbehagen in der Struktur

Prekäre Arbeit an der neoliberalen Hochschule

Montag, 28. Oktober 2019 von 18:00 bis 21:00

@ Uni Lüneburg (Universitätsallee 1, 21335 Lüneburg), Hörsaal 4

Vortrag mit Florian Kappeler

Deutsche Universitäten sind grundlegender noch als von neoliberalen von patriarchalen Verhältnissen gekennzeichnet: Über 90% befristete Stellen stehen weniger als 10% hochprivilegierte Professuren gegenüber, drei Viertel von diesen männlich besetzt. Diese entscheiden als ›Doktorväter‹ (deutlich seltener auch ›-mütter‹) über die wissenschaftliche Zukunft ihrer nicht promovierten Mitarbeitenden und mittels Begutachtung der Habilitation oder Evaluation des Tenure Track selbst noch über die der promovierten. Zudem liegt die immer bedeutendere Verfügung über Drittmittel zum Großteil in ihren Händen, woraus wiederum prekäre Stellen für den sogenannten und häufig über 40jährigen ›wissenschaftlichen Nachwuchs‹ generiert werden.

Ausgehend sowohl von biographischen Erfahrungen dieser Situation als auch verallgemeinerbaren Daten zum ›wissenschaftlichen Nachwuchs‹ und seinen ›Vätern‹ soll erstens gefragt werden, welche Gründe diese Konstellation der Prekarität hat, in der sich gesamtgesellschaftliche Tendenzen verschärfter Ausbeutung mit überkommenen vergeschlechtlichten Hierarchisierungen treffen. Zweitens ist ausgehend von aktuellen Aktivitäten u.a. des Netzwerks für Gute Arbeit in der Wissenschaft zu diskutieren, wie wir die prekären und patriarchalen Arbeitsverhältnisse – nicht nur an der Uni – verändern können.

Wir sind der Arbeitskreis elitär / prekär, ein offener Arbeitskreis zur Organisierung von studentischen Beschäftigten an der Leuphana. Wenn ihr Interesse habt, seid ihr immer eingeladen, euch zu beteiligen.
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Veranstalter*innen: Arbeitskreis elitär / prekär

Kritik deutscher »Vergangenheitsbewältigung«

Dienstag, 29. Oktober 2019 von 18:00 bis 20:00

@ Uni Lüneburg (Universitätsallee 1, 21335 Lüneburg), Kunstraum

Der Vortrag behandelt den Gedächtnis- und Identitätsdiskurs der BRD seit ihrer Konstitution als Projekt identitärer Vergemeinschaftung mittels historischer Sinnbildung. Dem entgegengesetzt wird der Verweis auf die gesellschaftskritischen Implikationen der Erinnerung an die NS-Verbrechen.

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Veranstalter*innen: AK Unbehagen in der Struktur

Hilfskräfte-Feierabend #3

Mittwoch, 30. Oktober 2019 von 20:00 bis 22:00

@ PONS (Salzstraße am Wasser 1, 21335 Lüneburg)

Vernetzung und Austausch zu Arbeit an der Hochschule. Interessierte, Tutor*innen, Hilfskräfte, studentisch Beschäftigte und alle die es waren und werden: kommt auf ein Getränk vorbei! Wir stellen unsere Arbeit und die Situation an der Uni vor und diskutieren, wie es weiter geht. Lasst uns grundsätzliche Fragen klären und Erfahrungen reflektieren.

Wir sind der Arbeitskreis elitär / prekär, ein offener Arbeitskreis zur Organisierung von studentischen Beschäftigten an der Leuphana. Wenn ihr Interesse habt, seid ihr immer eingeladen, euch zu beteiligen.
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Veranstalter*innen: Arbeitskreis elitär / prekär